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Wie gehe ich mit meinen persönlichen Grenzen um?

In interkulturellen Settings, wenn man sich nicht auf ein „Richtig“ und ein „Falsch“ verlassen kann, stellen sich immer wieder Fragen wie: “Bis wohin geht die Toleranz?“ „Wie gehe ich mit meinen persönlichen Grenzen um?“, Muss ich alles akzeptieren?“

Dann klingen einem Sätze im Ohr wie: “Man muss doch Grenzen setzen!“ und „Kinder brauchen Grenzen!“

Ist das so?

Das Risiko ist groß, in einen Machtkampf zu geraten oder so viel zu akzeptieren, dass die Situation zum Kippen kommt.

Da es in interkulturellen Settings keine Spielregeln gibt, die schon lange Bestand hätten, da ja die unterschiedlichsten Selbstverständlichkeiten aus verschiedenen Kulturen zusammenkommen, ist es so wichtig, einen neuen Ansatz zu wählen. Einen, der wirkt.

Um einen solchen schaffen zu können, ist es grundlegend, gut bei sich zu sein.

Deswegen ist es in erster Linie so wichtig, gut auf sich selbst zu schauen.

Erstens, weil Sie als Lehrperson so viel von sich, von Ihrer Aufmerksamkeit, Ihrer Energie geben.

Und zweitens weil interkulturelle Settings nur funktionieren, wenn man gut geerdet ist.

Grenzen wirken nicht wirklich, wenn es nur irgendwelche Grenzen sind. Wenn man dem folgt, was „man“ tut oder sagt.

Grenzen müssen authentisch sein, damit sie etwas bewirken

Dazu ist es notwendig, sich einen ruhigen Moment zu nehmen. Nicht wenn man in der Hitze des Gefechts steht.

Sondern einmal außerhalb der Arbeit. Vielleicht auch an einem Ort, an dem man sich wohl fühlt. Bei einer Tasse Tee, beim Spazieren oder beim Duschen. Sie brauchen dazu nicht einmal extra Zeit.

In diesem Moment der Auszeit kann man sich dann überlegen, was einem so wichtig ist, dass “der Zug drüber fährt“. Ist es z.B., dass die Kinder Ihnen im Gespräch in die Augen schauen? oder, dass sie die Hand heben, bevor sie etwas sagen?

Meistens sind es nicht 100 Dinge, die einem wichtig sind. Oft sind es nur 3-5 Punkte, die einem so wichtig sind, dass man keine Kompromisse eingehen will.

Die restlichen Punkte sind einem nicht so wichtig, sodass man z.B. sagen kann: “Ob die Kinder mich freundlich anlächeln oder „Guten Morgen“ sagen, ist nicht so bedeutend für mich, solange sie irgendwie grüßen!“

Wie gehe ich mit meinen persönlichen Grenzen um?

Bei diesen restlichen Punkten kann man tolerant sein. Was auch nicht schwerfällt, wenn man die 3-5 Punkte eingehalten sieht, die einem so besonders wichtig sind.

Das können völlig andere Punkte sein als bei allen anderen Lehrenden. Selbst, wenn Sie die einzige Person auf der Welt sind, der diese so viel bedeuten. Für Sie sind genau diese Punkte wichtig.

Wenn Sie diese Punkte, die Ihnen persönlich wichtig sind, nicht haben können, ist die Gefahr groß, dass Sie grantig werden. Und diesen Grant bekommen dann oft die Schüler*innen und manchmal auch ihre Eltern zu spüren. Manchmal unberechtigterweise.

Weil Grant auch für Sie nicht hilfreich ist und nur schlechte Laune macht, ist die Frage so wichtig: Wie gehe ich mit meinen persönlichen Grenzen um?

In manchen Bereichen können Sie möglicherweise nicht nur darauf achten, was Ihnen persönlich wichtig oder unwichtig ist, weil Sie in einem Team arbeiten. Und gewisse Angelegenheiten in der Schule einheitlich sein sollen.

Auch dann ist es wichtig, dass sich jedes einzelne Teammitglied für sich in einem ruhigen Moment überdenkt, was für sie/ihn persönlich wichtig und unwichtig ist. Um es dann im Team zu besprechen. Und zu überlegen, was in dieser einen Schule wichtig und unwichtig sein könnte. Das kann wiederum in jeder anderen Schule ganz anders sein.

Wenn Sie als Lehrperson und/oder als Schulteam herausgefunden haben, was Ihnen wichtig ist, ist der nächste Schritt, mit aller Klarheit auszudrücken, was Sie sich erwarten.

Dazu ist es am wirkungsvollsten, wenn Sie zuerst in Beziehung und Verbindung mit dem jeweiligen Kind beziehungsweise mit der Klasse gehen. Und dann klar zu sagen, was ihnen wichtig ist und was nicht.

Achten Sie dabei darauf, dass Ihr Körper das Gleiche ausdrückt wie Ihre Stimme!

Drückt Ihre Körperhaltung aus, dass es Ihnen ernst ist?

In der arabischen Welt gibt es einen Begriff, der hierzulande andere Assoziationen hervorruft: Harem.

Harem ist der Bereich eines Menschen, den niemand ungefragt betreten darf.

Es ist sozusagen wie ein Rosengarten um einen herum, der nur für einen selbst reserviert ist. An manchen Tagen braucht man einen weiten Rosengarten um sich herum. An manchen Tagen braucht man weniger Raum für sich und er kann kleiner sein.

Manchmal fällt eine Zaunlatte um und ungebetene Gäste kommen herein. Dann gilt es, diese wieder aufzustellen und gut auf seine Grenzen zu achten.

Es geht nicht darum, anderen Grenzen zu setzen, sondern gut auf seinen Rosengarten zu achten

Damit niemand über die Gartengrenzen trampelt.

Wenn man nicht gut auf seinen Rosengarten achtet, bekommen es oft die anderen zu spüren. Obwohl sie manchmal nur darauf aufmerksam gemacht haben, dass eine Zaunlatte umgefallen ist.

Wenn man gut auf sich und seinen Rosengarten achtet, ergibt es sich auch seltener, dass man (versehentlich) in den Rosengarten anderer hineintrampelt.

Auch nicht in den Rosengarten von Kindern. Ja, sie haben auch einen Rosengarten, in den Erwachsene nicht reintrampeln sollten.

Wie oft passiert es, dass wir mit Kindern so reden, wie wir uns mit Erwachsenen nicht zu reden erlauben würden?

Darüber hinaus sind die Grenzen der Grenzen:

– Menschen-verachtendes
– Pauschales über die Kulturen der Kinder
– bewerten, was die Schule nicht betrifft, und ähnliches

Eine Übung, die einem dabei helfen kann, gut geerdet zu bleiben und seinen Rosengarten gut zu pflegen, ist die stündliche Selbstfürsorgeübung:

Dazu richtet man sich einen Wecker auf ein stündliches Klingeln ein. Jedes Mal, wenn der Wecker in der Freizeit läutet, spürt man in sich hinein, was man gerade brauchen würde: Die Augen zumachen, eine kuschelige Decke, was zum Trinken, eine Umarmung, usw.

Nicht jedes Mal wird es möglich sein, sich zu erfüllen, was man braucht. Aber es tut bereits gut, wenn der Körper und die Seele sich gesehen und gehört fühlen.

Eine weitere Möglichkeit, ist folgende Auftankübung: 1 Minute Sonnenaufgangsmeditation

Beides ist wenig Aufwand und hat eine große Wirkung. So können Sie Ihren Rosengarten zum Blühen bringen.

Wie gehe ich mit meinen persönlichen Grenzen um in Bezug auf den Umgang mit Eltern? Das können Sie im folgenden Blogartikel nachlesen: Wie erkläre ich den Eltern, dass es wichtig ist, sich an bestimmte Vereinbarungen zu halten?

 

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