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Wie ist das nun eigentlich mit den muslimischen Frauen?

Wie ist das nun eigentlich mit den muslimischen Frauen? Wie erleben Sie die Rollenaufteilung?

Aus wissenschaftlicher Sicht schaut man sich beim Mann-Frau-Thema beispielsweise die Maskulinität beziehungsweise Femininität an, wie es Geert Hofstede ausdrückt.

Maskulinität bedeutet, dass die gefühlten Rollen von Mann und Frau sehr unterschiedlich sind. Dass Männer erfolgsorientiert, durchsetzungsfähig und zielstrebig sein sollen und Frauen eher bescheiden und um die Lebensqualität bemüht. Ein Beispiel dafür wäre die japanische Kultur mit 95 Punkten.

In femininen Kulturen sind die gefühlten Rollen von Mann und Frau recht ähnlich. Beide achten auf die Lebensqualität. Laut Hofstede ist eine sehr feminine Kultur die schwedische mit 5 Punkten.

Zwar stammen Hofstedes Forschungen aus den 60er- und 70er Jahren und die Vielfalt der Kulturen lässt sich nicht in Punkten ausdrücken. Und die Hin- und Herbewegungen der Entwicklung von Kulturen auch nicht.

Dennoch lassen sich anhand von Hofstedes Forschungen Tendenzen gut erkennen und Zusammenhänge leichter verstehen.

Was meinen Sie?

Wie viele Punkte würden Sie der „österreichischen“ Kultur in Bezug auf Maskulinität-Femininität vergeben?

Wie viele der „deutschen“?

Und der „türkischen“?

Der „arabischen“?

Hofstede hat folgende Punkte vergeben:

Österreich: 79 – also überwiegend maskulin

Deutschland: 66

Türkei: 45

Arabische Länder: 43 – also eher feminin

Überrascht?

Die „türkischen“ und „arabischen“ Kulturen werden eher feminin eingestuft, weil die Ausrichtung das Gemeinwohl ist und auch die Männer sich um die Lebensqualität der Gemeinschaft kümmern.

Darüber hinaus sehen sich beispielsweise in der Türkei auch Männer Telenovelas an. Afghanische junge Männer legen sich beim Sitzen gegenseitig den Arm um die Schulter. Arabische Männer gehen Hand in Hand, um ihrer Freundschaft Ausdruck zu verleihen.

Österreichische und deutsche Männer tun das, klischeehaft ausgedrückt, eher selten. Zu groß ist die Angst, als homosexuell erachtet zu werden, wenn man es nicht ist.

Wie ist das nun eigentlich mit den muslimischen Frauen?

Maskulinität und Femininität ist nur ein Aspekt. In der muslimischen Welt gibt es auch den Aspekt des Innen und des Außen.

Das Außen ist der Bereich der Männer. Sie kümmern sich um die Repräsentation der Familie im Außen, um ihren Schutz, um Erledigungen in der Außenwelt.

Das Innere ist das Reich der Frauen. Hier bestimmen sie, was der Mann heran zu schaffen hat, was er draußen sagen und tun soll.

Ein paschtunisches Sprichwort aus Afghanistan besagt: „Die Frauen schaukeln mit einer Hand die Wiege und mit der anderen Hand die Welt.“

Die Macht der Frauen geschieht aus dem Innen heraus. Im Außen vermeiden sie tunlichst alles, wodurch der Mann sein Gesicht verlieren könnte.

Viele treffen Muslime nur im Außen – auf der Straße, in der Schule, im Krankenhaus, bei Ämtern und erleben so nur die Männerwelt. Dadurch könnte man zu dem Schluss kommen, nur Männer hätten was zu sagen.

Erst wenn man in eine muslimische Familie nach Hause kommt, kann man entdecken, dass es noch eine weitere Welt gibt, die Innere. Die Frauenwelt. Und die kann man auch nur dann sehen, wenn man als Frau in eine Familie kommt. Als Mann hat man nur dann Zugang zum Frauenkreis, wenn man wirklich sehr gut befreundet ist.

Dadurch, dass die Frauenwelt, von außen nicht so offensichtlich ist, entsteht für viele Außenstehende ein verzerrtes Bild.

Wie ist das nun eigentlich mit den muslimischen Frauen?

Es ist zwar so, dass es in vielen muslimischen Kulturen Frauenfeindliches gibt. Das soll weder beschönigt noch kleingeredet werden.

Auf der anderen Seite ist das nicht die einzige Wahrheit.

Man bekommt kein realistisches Bild, wenn die Vorteile der westlichen Frauenwelt mit den Nachteilen der muslimischen Frauenwelt verglichen werden.

Anstatt zu bewerten, können wir schauen, was wir voneinander lernen können.

Immer wieder kann man erleben, wie westliche Frauen ohne Migrationshintergrund auf paternalistische Art und Weise muslimischen Frauen zeigen zu wollen, wie Frausein geht. Und Emanzipation. Ohne sich auf eine weitere Wahrheit der muslimischen Welt eingelassen zu haben: die der großen Frauenfreundlichkeit.

Ja, die muslimischen Welten sind voller Widersprüche und Extreme

Deswegen ist es wichtig, alle Facetten davon zu beobachten und nicht nur einige herauszufiltern.

Es ist wichtig, andere Kulturen wie einen Spiegel zu verwenden. Und die guten Seiten als Vorbild und die schwierigen Seiten als Impuls, herauszufinden, was man in der eigenen Kultur verbessern kann.

Natürlich ist es wichtig, andere Frauen zu unter­stützen. Jedoch nicht ungefragt.

„Wir sind hier, um Frauen zu helfen, ihre eigenen Stärken zu entdecken, nicht um sie zu retten und dadurch verletzlich zu halten.“ Anonym

Niemand möchte das Gefühl haben, nachge­bessert werden zu müssen. Oder bemitleidet zu werden. “

Wie ist das nun eigentlich mit den muslimischen Frauen?

Es gibt Gegenden, in denen Frauen wirklich ein sehr schweres Los gezogen haben. Das sind häufig – jedoch nicht immer – Gebiete, die ohnehin in einer schwierigen Lage sind.

An vielen Orten jedoch, finden Frauen – und auch Männer – kreative Möglichkeiten, um das Leben von Frauen freier, leichter und gerechter zu machen.

In der Türkei beispielsweise werden in psychologisch sehr gut aufbereiteten Soap Operas alle Taboo-Themen zur Sprache gebracht, wie: Kinderehe, Vergewaltigung, Misch­ehen, Gewalt, usw. Diese Serien werden auch in den arabischen Ländern, Indien, Costa Rica, usw.  ausgestrahlt und verändern die Frauenwelten, wie man in diesem Trailer von Kismet – How soap operas changed the world sehen kann.

Im Iran setzen in der #meninhijab-Bewegung Männer Kopftücher auf, um gegen die per Gesetz vorgeschriebene Kopftuchpflicht für Frauen zu protestieren.

In Marokko wurde 2004 vom König das Moudawana-Gesetz verabschiedet, nach dem der Ehemann dazu verpflichtet ist, alleine die Familie zu erhalten und gemeinsam mit seiner Frau den Haushalt zu machen.

Wenn man muslimische Frauen fragt, in welchen Bereichen sie sich Männern gegenüber benachteiligt fühlen, nennen viele den Haushalt. Dass sie dafür als zuständig erachtet werden, dass das Haus immer ordentlich und sauber ist.

Etwas, was vielen nicht-muslimischen Frauen wahrscheinlich nicht unbekannt ist

Bethany Webster schreibt in ihrem Buch „Discovering the Inner Mother“, dass patriarchalische Kulturen von Frauen verlangen:

  • persönliche Ambitionen hintanzustellen, der Versorgung der Familie zuliebe
  • alles zu geben, um die Familie zu unterstützen und die Kinder großzuziehen
  • diejenige zu sein, die sich am meisten um den Haushalt kümmert
  • beständig auf die Bedürfnisse anderer zu achten und ihre eigenen zu übergehen
  • alles mit Leichtigkeit 100% der Zeit zu erledigen: guterzogene Kinder zu haben, sehr gut auszusehen, dem Mann eine anziehende Partnerin zu sein, eine erfolgreiche Karriere zu haben, eine gute Ehe zu führen

Und wenn man das nicht auf die Reihe kriegt, passt etwas nicht mit einem.

Und Joni Seager schreibt in ihrem Buch „Der Frauen Atlas“:

„Alle Staaten sind patriarchalisch.“

Aus diesem Grund sollten wir uns zusammentun. Wir alle.

Auch die Männer. Denn auch sie leiden immer wieder im Patriarchat.

Inwiefern die Frauenwelten unterschiedlich sind, lesen Sie im Blogartikel Frausein in der Türkei und in Österreich …

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