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Wie gehe ich damit um, wenn muslimische Mädchen nicht am Schwimmunterricht teilnehmen?

Frauen, Sport und Islam. Wie gehe ich damit um, wenn muslimische Mädchen nicht am Schwimmunterricht teilnehmen? Warum ist das so ein Thema?

Viele Lehrenden möchten achtsam mit interkulturellen Themen umgehen und die Mädchen nicht zwingen. Auf der anderen Seite ist Schwimmen Teil des Sportunterrichts und somit verpflichtend. Und die Lehrenden stehen genau mittendrin, zwischen den beiden Seiten. Was kann man also tun?

Wie gehe ich damit um, wenn muslimische Mädchen nicht am Schwimmunterricht teilnehmen?

Der erste Schritt ist – wie immer, wenn man vor einem scheinbar unlösbaren Problem steht – zu versuchen, zu verstehen. Und zu fragen WARUM? Und dann wieder: aber WARUM? Bis man an den Kern kommt.

Wenn man versteht, warum, dann kann man auch Lösungen finden.

Das Problem ist nicht das Schwimmen an sich. Denn sogar der Prophet Muhammad hat gemeint: „Bringt den Kindern 3 Dinge bei: Reiten, Bogenschießen und Schwimmen!

Das Problem ist die unterschiedliche Auffassung von Nacktheit in verschiedenen Kulturen. In jeder Gesellschaft gibt es ein Nacktheitskonzept: Was ist nackt? Ab wann gilt man als nackt? Unter „oben“ bei „oben ohne“ verstehen manche die Brust und manche den Kopf.

Stellen Sie sich vor, Sie lebten mit ihren Töchtern in einem anderen Land und dort wäre Schwimmen ohne Badeanzug oder Bikini verpflichtend. Würde es Sie beruhigen, Folgendes zu hören?:

„Aber es macht den Mädchen so viel Spaß!“

Die Nacktheitsgefühle können auch von Person zu Person recht unterschiedlich sein.

Viele Muslim*innen jedoch finden es als unanständig, wenn ihre Töchter nur mit Badeanzug oder Bikini in ein öffentliches Bad gehen. Auch für ihre Söhne wünschen sich viele, dass sie beim Schwimmen zumindest eine Short anhaben und nicht nur eine beinfreie Badehose.

Und sogar dann, wenn sie selbst ein Auge zudrücken würden und die Kinder schwimmen gehen lassen würden, stimmen manche muslimische Eltern dem nicht zu. Denn der Gruppendruck in der Community kann manchmal sehr hoch sein. Bevor die Kinder noch zu Hause sind, hat es sich oft schon herumgesprochen, dass sie „nackt in der Öffentlichkeit“ waren. Um nicht schief angeschaut zu werden, was man denn für eine Mutter/ein Vater sei, die/der so etwas zulässt, lassen manche Eltern ihre Kinder, vor allem ihre Töchter, nicht zum Schwimmunterricht.

Für das Nacktheitsthema lassen sich Lösungen finden – zum Glück gibt es alle möglichen Längen und Formen von Badebekleidung.

Abgesehen von Nacktheit gibt es noch weitere Gründe dafür, wenn Eltern ihre Kinder nicht schwimmen gehen lassen möchten.

In den letzten Jahren sind viele Muslim*innen über die Meeresroute hierher gekommen. Manche haben miterlebt, wie ihre Mitreisenden ertrunken sind. Manche haben selbst das Kentern des Schlauchbootes nur knapp überlebt.

Diese Erfahrung sitzt manchmal so tief, dass sie ihre Kinder nicht schwimmen gehen lassen möchten.

Was das Nacktheitsthema angeht, betrifft das nicht nur das Schwimmen, sondern auch den Turnunterricht

Auch hier gibt es die Möglichkeit, nadellose Kopfbedeckungen zu wählen, die ungefährlich sind.

In der muslimischen Welt gibt es viele Mädchen mit Kopftuch, die auch außerhalb des Turnunterrichts Sport betreiben, vor allem Kampfsportarten wie Judo oder Fußball. Im Übrigen wird Frauenfußball in muslimischen Ländern häufiger im Fernsehen übertragen als in Mitteleuropa.

Auch für das Umziehen vor und nach dem Sport ist es wichtig, dass es in den Umkleideräumen genügend Raum für Privatsphäre gibt. Nicht nur für muslimische Mädchen. Auch für viele muslimische Jungen ist es unangebracht, beispielsweise nackt vor anderen Burschen zu duschen.

Sport wird im Islam erlaubt, solange man damit nicht sein Leben gefährdet. Selbstmord ist nämlich im Islam verboten.

Deswegen werden Sportarten wie Klettern, Drachenfliegen, usw. so gut wie nicht praktiziert.

In der muslimischen Welt ist Sport auch eher den wohlhabenderen Schichten vorbehalten. Die Mehrheit der Bevölkerung kann sich Sportausrüstung, Kurse oder Platzgebühren kaum leisten. Für kostenlose Sportarten wie „Joggen“ gibt es manchmal wenig Platz. Vor allem in Städten herrscht oft ein dichtes Gedränge und im Straßenverkehr gilt die Regel des Stärkeren.

Dazu kommt, dass in vielen muslimischen Ländern im Großteil des Jahres die Außentemperaturen zu heiß und die Sonneneinstrahlung zu intensiv für Sport sind.

All das führt einerseits zu einem Bewegungsmangel bei einem großen Teil der Bevölkerung der muslimischen Welt, überwiegend in den Städten. Andererseits sind dies die Gründe, warum Sport eher selten Teil des Alltags in den muslimischen Ländern ist. Deswegen mag es für manche Eltern ungewöhnlich sein, dass ihre Kinder Sport betreiben.

Wie gehe ich damit um, wenn muslimische Mädchen nicht am Schwimmunterricht teilnehmen?

Es gibt also einige Gründe, warum muslimische Mädchen nicht am Schwimmunterricht teilnehmen.

Welcher das ist, erfährt man im Gespräch mit den Mädchen oder ihren Eltern.

Wenn Sie bereits die Beziehung zu diesen aufgebaut und gepflegt haben, wird üblicherweise so viel Vertrauen vorhanden sein, dass Eltern offen über ihre Bedenken sprechen. Und vor allem werden sie sich dann mit Ihnen auf den Weg machen, Lösungen zu finden, die für die Mädchen, die Schule und die Eltern passen.

Die wichtigsten Schritte dabei sind:

  • Beziehung aufbauen
  • das Gespräch suchen
  • das Warum herausfinden
  • Vertrauen aufbauen
  • Lösungen herausarbeiten

Einen interessanten Artikel dazu finden Sie hier: Schwimmen tun sie alle

Wenn Sie mehr über die Zusammenarbeit mit Eltern wissen wollen, laden Sie sich hier den Leitfaden herunter: Leitfaden für die Zusammenarbeit mit muslimischen Eltern

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